Der Baldrian (Valeriana officinalis)

Kurzvorstellung

Der Baldrian wirkt beruhigend und schlaffördernd und kann nervöse Herz- und Magen/Darm-Beschwerden lindern. Außerdem kann er konzentrationsfördernd und anregend wirken und er ist krampflösend und muskelrelaxierend.

 

 

Wissenswertes
Die Blüten dufte stark und locken mit dem Nektar Honig- und Sandbienen sowie verschiedene Zweiflügler an. Auch Schmetterlinge sind häufig auf ihm zu Besuch. Die Art umfasst sechs Kleinarten, die zu Teil untereinander bastardieren. Früher wurde Baldrian oft in den Bauerngärten angepflanzt. Nicht wegen der Heilwirkung sondern viel mehr, weil sein Wurzelwerk für eine bessere Belüftung des Bodens sorgt und Regenwürmer von ihm angezogen werden. Wirkt auf Katzen und Großkatzen – ausgenommen Löwen – „aphrodisierend“.

 

Ernte und Lagerung

Geerntet werden die Wurzelstöcke, wenn die Pflanze „ausgewachsen“ ist. Dies ist i. d. R. mit 2-3 Jahren der Fall. Die Wurzeln werden gereinigt und bei ca. 40°C getrocknet. Gelagert werden die getrockneten Wurzeln lichtgeschützt in dunklen Behältnissen. 100qm Baldrian bringen ca. 30kg getrocknetes Wurzelwerk. 

 

 

Pflanzenheilkunde (traditionelle und volkstümliche Anwendung)
Baldrian ist eine traditionelle, seit der Existenz der griechischen bzw. römischen Medizin bekannte Heilpflanze. Seit ca. Mitte des 18. Jahrhunderts wird Baldrian wegen seiner beruhigenden Wirkung geschätzt. Anwendungsgebiete sind und waren Konzentrationsstörungen, geistige Überarbeitung, nervöse Erschöpfung, Kopfschmerzen (einschließlich Migräne), Reizbarkeit, Stress, Unruhe und Nervosität, Angst- und Spannungszustände sowie nervöse Herz- und Magen-Darm-Beschwerden. Auch Einschlafstörungen gelten als traditionelles Einsatzgebiet.

 

Pharmakologische Wirkungen und Wirksamkeit

  • beruhigend
  • Förderung der Schlafbereitschaft
  • konzentrations- u. leistungsfördernd
  • Dosisabhängig sedierend (z.B. Valerensäure u. allen Stoffen voran die Olivilglucoside) bzw. anregend
  • antikonvulsiv (z. B. Valerensäure)
  • spasmolytisch (krampflösend)
  • muskelrelaxierend
  • gegen Schlafstörungen

 

 Durch klinische Studien belegt

  • Abnahme der zentralen Hyperreaktivität
  • Verkürzung der Einschlafzeit
  • Verbesserung der Schlafqualität mit vermindertem nächtlichen Aufwachen
  • Verbesserung der Tagesbefindlichkeit (nach ca. 2-4 wöchiger Therapie)

 

 

Dosierungen in der traditionellen Pflanzenheilkunde

Getrocknete Baldrianwurzel

  • bei Unruhe- und Angstzuständen
  • bei Reizbarkeit und nervös bedingten Magen-Darm-Störungen
  • bei Schlafstörungen
  • Erwachsene, Kinder über 12 Jahre ED - 0,3-1g z. B. Pulver zwei bis 3 x tgl. - 1-3g zur Teebereitung ein bis mehrmals täglich
  • Als Schlafhilfe Einnahme eine 0,5-1h vor dem Schlafengehen, wenn notwendig eine zusätzl. Dosis am Abend
  • Zubereitungen entsprechend den Herstellerangaben

Anwendung

oral oder lokal

 

Nebenwirkungen / Kontraindikationen

Überempfindlichkeit (z. B. Allergien, leichte Magen-Darmbeschwerden), gleichzeitige Einnahme von Psychopharmaka (z. B. Benzodiazepine), paradoxe Reaktionen können vorkommen (z. B. Unruhe und Nervosität).

 

Interaktionen (Wechselwirkungen) mit anderen Medikamenten

Nicht mit anderen Psychopharmaka gleichzeitig anwenden.

Schwangerschaft und Stillzeit
Keine Daten vorliegend. 

Überdosierung
Keine Daten vorliegend.

 

 

Bewertung aus phytotherapeutischen Forschungsgruppen

Kommission E

Wirkt bei Unruhezuständen, nervös bedingte Einschlafstörungen.

 

ESCOP

Verbesserung von zeitweiser leichter nervöser Anspannung mit oder ohne Einschlafstörungen.

 

HMPC

Unterstützung bei leichten Symptomen von mentalem Stress, als Schlafhilfe und bei leichten Symptomen mentalen Stresses.

 

WHO

Leichtes Sedativum und schlafförderndes Mittel, als Verdauungsmittel und Begleitmittel bei krampfartigen Zuständen der glatten Muskulatur und gastrointestinalen Schmerzen nervösen Ursprungs.

 

 

Homöopathie

Droge: Wurzelstock

Anwendung: Schlaflosigkeit, Spasmophilie, nervöse Unruhe

 

 

Kombinationen

Baldrianwurzel kann mit Hopfenzapfen, Melissenblättern, Kamillenblüten, Pfefferminzblättern und Passionsblume sowie Lavendel kombiniert werden.

 

Die Kombination von Baldrian und Hopfen erwies sich in mehreren Studien bei Schlafstörungen als wirksam während z. B. bei Angststörungen sich Kombinationen mit Johanniskrautextrakt wirksamer als Benzodiazepine erwiesen.

 

Baldrian Valeriana beruhigend schlaffördernd muskelrelaxierend nervöse Herzbeschwerden Magen-Darm

Baldrian in der Tiermedizin - Besonderheiten

 

Auch in der Tiermedizin wird Baldrian bei Unruhe- und Angstzuständen bei Reizbarkeit und nervös bedingten Magen-Darm-Störungen eingesetzt.

Je nach Dosierung sind – wie in der Humanmedizin – paradoxe Reaktionen möglich. Symptome sind Unruhe und Nervosität. Er sollte nicht zeitgleich mit anderen Psychopharmaka eingesetzt werden, da er zum Teil die gleichen Rezeptoren wie diese belegt.

 

In der Tiermedizin gibt es in Bezug auf Katzen und Baldrian eine Besonderheit. Im Gegensatz zu anderen Spezies hat Baldrian auf Katzen keine beruhigende Wirkung, sondern vielmehr eine stimulierende – ausgenommen bei Löwen.

 

Ca. 70% der Katzen beiderlei Geschlechts zeigen beim Riechen und Fressen der Pflanzenteile und Wurzeln des Baldrians stimulierte Verhaltensweisen wie intensives Beschnuppern, Belecken und Anknabbern der Pflanzen und Wurzeln. Sie rollen sich hin und her und sie Schnurren wohlig. Sie treten, fangen und schlagen und schnurren dabei. Für ca. 10 Min. sind sie völlig mit sich selbst beschäftigt und vergessen die Umwelt um sie herum. Dann sitzen sie einige Minuten ruhig fast wie benommen oder in Trance um danach unvermittelt wieder ihren üblichen Tätigkeiten nachzugehen.

In d. R. tritt dieses Verhalten erst bei Katze > 6 Monate auf. Außerdem lässt es bei älteren Katzen, die altersbedingt unter einem reduzierten Geruchssinn „leiden“, ebenfalls deutlich nach. Ca. 30% reagieren zeitlebens gar nicht auf den Geruch von Baldrian und Löwen reagieren insgesamt nicht.

 

Nicht jede Droge übt die gleiche Wirkung aus. Der Grad der Attraktivität hängt von der Konzentration des stimulierenden Inhaltsstoffes ab, der scheinbar nach Wachstumsstandort, Jahres- / Tageszeit, … variiert.

Zurzeit wird im Wesentlichen Actinidin – ein Inhaltsstoff der ätherischen Öle des Baldrians -, der auch auf Insekten eine Pheromon-Wirkung zeigt, für die Reaktion der Katzen verantwortlich gemacht.

Am attraktivsten scheint nach bisherigen Untersuchungen der Baldrian für die Katzen in der Zeit von August – Oktober. Der Wurzelstock ist jetzt am stärksten ausgebildet und der Gehalt an ätherischen Ölen am höchsten.

Die in diesem Blog vorgestellten Hausmittel und Rezepte können Weg zum Arzt oder Tierarzt nicht ersetzen. Siehe Haftungsausschluss.