Warum Pflanzenheilkunde?

Die Pflanzenheilkunde als eines der ältesten und wichtigsten Heilverfahren der Menschheit findet ihre Wurzeln bereits in der Steinzeit. Unser Wissen und unsere Erfahrungen mit Heilpflanzen ist eigentlich so viel älter als das Wissen um chemisch-synthetische Arzneien. Interessanterweise stammen die Vorbilder von über 60% aller Arzneimittel von Pflanzenstoffen. Ausgenommen hiervon sind Antibiotika, die zu großen Teilen aus Mikroorganismen isoliert wurden.Die Pflanzenheilkunde und auch die chemisch-synthetisch hergestellten Mittel haben beide großes geleistet. Moderne synthetische Arzneimittel sind heute in vielen Fällen lebensrettend und in bestimmten Bereichen der Pflanzenheilkunde durchaus überlegen. In sehr vielen Fällen sind sie aber gar nicht erforderlich und aufgrund ihrer teils nicht unerheblichen Nebenwirkungen und ihres sehr gezielten und damit hochspeziellem Wirkungsmechanismus gar nicht sinnvoll und notwendig. Viele der synthetischen Arzneimittel sind aus der Idee geboren, dass eine Fehlfunktion zu einer Krankheit führt und dass dieses Arzneimittel dies Fehlfunktion beheben soll (one-molecule-one-target-Konzept). Mittlerweile ist klar, dass es nicht so einfach ist, wie angenommen. Die Mechanismen sind hochkomplex und mit dem „ein Molekül, ein Ziel Konzept “ nicht hinreichend zu behandeln. Pflanzenheilkunde ist nicht antiquiert, nur weil sie bereits solange existiert und praktiziert wird. Pflanzliche Arzneimittel stehen im absoluten Gegensatz zu dem v. g. Konzept und genau das ist ihr Vorteil. Pflanzen bilden immer eine Vielzahl von sekundären Pflanzenstoffen gleichzeitig. D. h., dass sie immer aus einer Vielzahl biologisch aktiver Substanzen bestehen. Sie stellen grundsätzlich Multi-Targets dar. Sie greifen grundsätzlich an mehreren Zielen an und sind dadurch auf eine übergreifende Wirksamkeit ausgerichtet, während die Synthetika eine Mono-Target-Wirkung zum Ziel haben. Die meisten Erkrankungen sind multifaktoriell bedingt und bedürfen einer multifaktoriellen Therapie für die sich die Phytotherapeutika besonders eignen.Die sogenannten UAW (unerwünschte Arzneiwirkungen) sind zu dem bei Synthetika deutlich höher als bei Phytotherapeutika. Phytotherapeutika eignen sich besonders für den präventiven Einsatz und zur Langzeittherapie komplexer chronischer Erkrankungen. Zudem sind sie besonders gut zur Therapie leichterer Erkrankungen, wie unkomplizierte Durchfälle, Atemwegserkrankungen etc. geeignet.Ich bin genau aus diesem Grund froh Arzt zu sein, denn ich möchte weder die synthetischen Arzneimittel noch die durchaus hocheffektiven und gut verträglichen Phytotherapeutika missen. Als Arzt kann ich entscheiden, wann welches „Arzneimittel“ allein oder in Kombination für meinen Patienten am sinnvollsten und verträglichsten ist. Wichtig und wünschenswert ist aus meiner Sicht, sich der Stärken und Schwächen beider Therapien bewusst zu werden und den Einsatz eines einzelnen oder beider Verfahren in Kombination wohl überlegt zu planen. Der höchstmögliche Nutzen für den Patienten wird nicht nur durch einen Therapieansatz erreicht. Die Vielzahl und damit die Möglichkeit der Wahl des sinnvollsten Einzelmittels bzw. der sinnvollsten Kombination bringt den größtmöglichen Erfolg.