Wirkung von Antibiotika im Vergleich zur Wirkung von Naturstoffen

Antibiotika (anti = gegen; bios = Leben) …gegen das Leben gerichtet…

 

Um einen Überblick zu bekommen, wie Antibiotika gegen Bakterien wirken, ist es sinnvoll sich ein Bakterium schematisch zu betrachten. Wobei für die Wirkung der Antibiotika die folgenden Strukturen von wesentlicher Bedeutung sind:

  •  Zellmembran
  •  Zellwand
  •  Folsäure Synthese
  •  DNA
  •  RNA
  •  Proteine

Je nach dem an welcher Stelle ein Antibiotikum angreift, wirkt dieses entweder bakterizid (Bakterien abtötend) oder aber bakteriostatisch (wachstumshemmend).

 

Wie wehren sich Bakterien gegen die angewendeten Antibiotika?

Bakterien können durch z. B. Genmutation Veränderungen erfahren, die Sie für bestimmte Antibiotika unangreifbar machen. Diese Veränderung können Sie an Ihre Vermehrungs-produkte oder aber auch an andere Mikroorganismen weitergeben.  Die Konjugation ist ein Beispiel für Parasexualität, die bei Bakterien auch weit über ihre Artgrenzen hinweg möglich ist. Sogenannte Gram negative Bakterien, die sich als Spender eignen sind in der Lage einen sogenannten Sexpilus auszubilden. Eine fadenförmige Struktur (Plasmabrücke), die eine Annäherung zweier Bakterien (Spender und Empfänger) ermöglicht, wodurch zwischen diesen beiden genetische Informationen ausgetauscht werden können. Im Ergebnis wird der Empfänger zu einem weiteren möglichen Spender. Antibiotikaresistenzen können sich auf diese Weise rasant vermehren.

Bekannte Resistenzmechanismen können z. B.  Änderungen der Zellmembran oder Zellwandstruktur sein oder aber der Erwerb von Membrantransportern, die in der Lage sind eingedrungene Antibiotika direkt wieder aus der Zelle aus zu schleusen. Manch ein Bakterium erwirbt die Fähigkeit ein Enzym zu bilden, dass das Antibiotikum außer Funktion setzt.

Außerdem bilden Bakterien sogenannte „Biofilme“ aus. Eine Vielzahl von durchaus ganz verschiedenen Bakterien lagern sich eng zusammen und bilden gemeinsam die „extrazelluläre Matrix“ aus, in die eingebettet, sie sicher vor den Antibiotika sind, da die Antibiotika nicht in der Lage sind diese Matrix zu durchdringen und an den entsprechenden Stellen im/am Bakterium anzugreifen. Diese Biofilme eignen sich auch hervorragend zu Parasexuellen Aktivitäten. Innerhalb kürzester Zeit können unterschiedlichste Bakterienarten mit neuen Resistenzgenen ausgestattet werden.

Wie üben Naturstoffe (z. B. sekundäre Pflanzenstoffe) ihre antibakterielle Wirkung aus?

Zelloberflächen von Bakterien, die aufgrund ihrer Zellmembranstruktur wasserabweisend sind, können für Wasser zugänglich gemacht werden und damit eine Zerstörung des Bakteriums eingeleitet werden. Dieses kann z. B. der echte Waldmeister und die Brennnessel. 

Eine andere Möglichkeit ist Bakterien durch Anregung z. B. des Urinflusses heraus zu spülen. Eine besondere Stärke bzw. Eigenschaft die man insbesondere bei der Goldrute, der Brennnessel und der Birke findet.

Preiselbeeren, Waldmeister, Birke und Ackerschachtelhalm haben die Fähigkeit die Ausbildung sogenannter Fimbrien und anderer Fasern zu unterdrücken, die Bakterien zur Anheftung und Invasion von Zellen benötigen. Nahezu alle Pflanzen können über die in ihnen enthaltenen Flavonoide die Bildung des Biofilms verhindern. Und verschiedene ätherische Öle sind in der Lage bereits bestehenden Biofilm aufzulösen und einen Resistenzmechanismus von Bakterien effektiv auszuhebeln. Die Auflösung des Biofilms hat nicht selten zur Folge, dass vormals unwirksame Antibiotika wieder ihre volle Wirksamkeit erlangen.


Auch gibt es Pflanzen, die eine direkte bakterizide Wirkung zeigen. Hierzu gehören:

  •     Saponin-Drogen wie z. B. Efeu, Goldrute, Schlüsselblume, Stiefmütterchen
  •  Ätherisch Öl-Drogen wie z. B. Oregano, Minze, Anis, Kümmel, Kamille und Salbei
  •  Gerbstoff-Drogen wie z. B. Eichenrinde, Blutwurz, Brombeere, Himbeere
  •  Senfölglykoside, Scharfstoffe wie z. B. Meerrettich, Senf, Kapuzinerkresse, Ingwer

 Thymian ist ebenfalls eine ganz besondere Pflanze:

  • Thymianöl zeigt eine starke Wirksamkeit gegen Isolate multiresistenter Stämme von Staphylococcus, Enterococcus, Escherischia und Pseudomonas (Sienkienwicz et al. 2012)
  • Thymianöl verhindert auch die Bildung von Candida-Biofilmen. Hierfür sind v. a. Thymol und Cavacrol verantwortlich. Derzeit ist ein Antibiotikium in der Entwicklung, welches direkt mit Cavacrol kombiniert werden soll, wodurch die Wirksamkeit erhöht bzw. wiederhergestellt wird und eine künftige Resistenzentwicklung erschwert würde. Thymol, Cavacrol und Zimtaldehyd verstärken die Wirkung von Ampicillin Tetracyclin, Penicillin, Erythromycin und Novobiocin.

 

Eine kombinierte Therapie aus sekundären Pflanzenstoffen wie z. B. ätherischen Ölen mit Antibiotika kann die Resistenzbildung verhindern und die benötigte Antibiotikamenge reduzieren (Palaniappan Holley, 2010).

 

Ein hochbewährtes Beispiel zur Therapie von Harnwegs- und Atemwegsinfekten ist die Kombination von Kapuzinerkressenkraut und Meerettichwurzelpulver wie Sie in dem Präparat Angocin Anti-Infekt N der Fa. Repharm für Menschen enthalten ist.  Für Tiere gibt es als Pendant CaniGum Fluu der Fa. Alfavet. Dies enthält zudem noch das, das Immunsystem stimulierende Echinaceaextrakt. Die Präparate sollten allerdings nicht bei Magen-Darmulzera oder Nierenerkrankungen angewendet werden.

 

Ein nicht zu vernachlässigender Vorteil pflanzlicher Stoffe ist, dass sie synergistisch wirken. Ein Beispiel ist z. B., dass die benötigte Stoffmenge einer einzelnen Substanz durch die Kombination mit einer weiteren Substanz so verbessert werden kann, dass von der Ausgangssubstanz deutlich weniger benötigt wird, um die gleiche Wirkung zu erreichen. So lassen sich evtl. zu befürchtende Nebenwirkungen teils gänzlich ausschließen.

 

Beispiel:
7g Baldrianwurzel + 3 g Hopfen wirken wie 20g Baldrianwurzel allein.

Propolis (Bienenkitt), dass aus sekundären Pflanzenstoffen und Bienen eigenen Stoffwechselprodukten besteht beinhaltet eine Vielzahl phenolischer Verbindungen (v. a. Kaffeesäurederivate) und ätherischem Öl.

 

Indikationen:

  •  alle Schleimhauterkrankungen
  •  sehr gute Wirkungen auch gegen resistente Keime

Wirkungen:

  •  antiseptisch, antimikrobiell, antiviral
  •  entzündungshemmend
  •  immunstimulierend

 

Aber, ein klein wenig Vorsicht ist hier geboten. Es besteht ggf. ein Allergisierungspotenzial durch Propolis.

 

Zusammenfassend kann man zu den Naturstoffen sagen, dass sie zwar unspezifisch gegen Keime wirken, aber dafür gegen ein breites Spektrum aktiv sind. Sie sind teilweise eine Alternative, immer aber zumindest eine sinnvolle Ergänzung zu Antibiotika. Ihr Einsatz kann auch prophylaktisch bzw.  metaphylaktisch erfolgen und sie bergen keine Gefahr der Resistenzbildung.