Echter Lavendel (Lavandula angustifolia)

Heilpflanze Lavendel Lavandula angustifolia ätherisches Öl Flavonoide Verbrennungen Abszess Pilzbefall Wundheilung kramplösend entspannend angstlösend Angstzustände
Ein Klick auf das Bild führt zur Übersicht über die Wirkstoffgruppen.

Der Lavendel enthält v.a. ätherische Öle, Flavonoide und Gerbstoffe. Er eignet sich zur äußerlichen Behandlung von Hautproblemen wie kleinflächigen Verbrennungen, Abszessen und Pilzbefall. Durch seine antimikrobielle Wirkung ist er auch zur Förderung der Wundheilung bei schlecht heilenden Wunden geeignet. Außerdem wirkt er beruhigend auf von starker Sonnenbestrahlung angegriffenen Hautpartien.

 

Innerlich angewendet wirkt Lavendel krampflösend und entspannend und kann gegen Angst- und Aufregungszustände eingesetzt werden. Auch bei nervös bedingten Magen-, Darm- und Leberproblemen kann der Lavendel lindernd wirken. Auf Schläfen oder Zahnfleisch aufgetragen oder in Form eines heißen Bades kann das ätherische Lavendelöl auch gegen Kopfschmerzen, Zahnschmerzen und Muskelschmerzen wirken.

 

Verwendet wird hauptsächlich das ätherische Öl des Lavendels, aber auch die getrockneten Blüten der Lavendelpflanze können in Form von Tee verabreicht werden.

 

Kommission E:  positive Bewertung
ESCOP:               positive Bewertung
HMPC:                als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.

 

Klinische Studien: positiv

 

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Wie Heilpflanzen wirken

Wie Heilpflanzen wirken und wann Sie ihren höchste Wirkstoffgehalt besitzen

Die Mehrzahl der bekannten Heilkräuter kann in eine Wirkstoffsystematik eingeteilt werden, anhand derer sich ablesen lässt, welche Kräuter gegen welche Krankheitsbilder eingesetzt werden können, und welche Pflanzen sich gegenseitig ergänzen bzw. gegeneinander austauschbar sind. Zu den in Heilpflanzen enthaltenen Wirkstoffen gehören zum Beispiel ätherische Öle, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Schleimstoffe und Flavonoide.


Ätherische Öle sind in allen duftenden Pflanzen enthalten und werden vor allem um die Mittagszeit produziert. Sie wirken keim- und entzündungshemmend, krampflösend, beruhigend und auswurffördernd. Sie beeinflussen auch unser Wohlbefinden. Typische Pflanzen die ätherische Öle enthalten sind z. B. Thymian, Oregano, Rosmarin, Fenchel, (Pfeffer-) Minze, Kamille, Lavendel u. v. a. m..

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Hydrolate und ihre Anwendung in der Pflanzenheilkunde

Hydrolat mit aufschwimmender ätherischöl Fraktion
Hydrolat mit aufschwimmender ätherischöl Fraktion

Kurzübersicht

Hydrolate sind ein Produkt des Destillationsprozesses für pflanzliche Heilstoffe und ätherische Öle. Sie werden in der Pflanzenheilkunde im Rahmen der Aromatherapie eingesetzt, z.B. zur Behandlung von Problemen der Haut und der Mundschleimhäute oder zur Augenspülung.

 

 

Hydrolate (engl. Hydrosol)

 

Hydrolate im engeren Sinne sind Destillationswässer, "Nebenprodukte", wie sie bei der Destillation von Pflanzen anfallen, aus denen man ätherische Öle gewinnt. Hydrolate sind das wässrige Kondensat, das nach Abkühlung des Destillationsdampfes und Abtrennung der ätherischen Öle nach der Wasserdampfdestillation verbleibt. Hydrolate nehmen inhaltlich eine Zwischenstellung ein: In ihnen finden sich die wasserlöslichen Komponenten der zur Destillation genutzten Pflanze, die auch ein Tee enthalten würde. Zudem enthalten sie in Spuren suspendierte ätherischen Öle, insbesondere die nur schwer wasserlöslichen Ätherischölkomponenten. Das sind etwa die durch Oxidation der Terpene entstandenen Alkohole oder die nach Esterhydrolyse (Verseifung) entstandenen Verbindungen. Dazu gehören z.B. Monoterpen-Alkohole wie Citronellol, Linalool, Geraniol oder 1-Menthol. Hydrolate besitzen damit ein therapeutisch interessantes Inhaltsstoffspektrum.

 

Aber auch aus Pflanzen, bei denen ätherische Öle keine Rolle spielen (z. B. Hamamelisrinde), werden über Destillation sog. Pflanzenwässer gewonnen.

 

Hydrolate bewähren sich v.a. in der Wundpflege und als Augenspülungen.

 

In der Tiermedizin können sie eingesetzt werden sowohl bei den geruchsempfindlichen Tieren als auch bei Tieren mit Unverträglichkeiten für Pflanzenstoffe (Feliden, Säuglinge, Säugende, geriatrische Patienten mit mangelhafter Glukuronidierungsleistung – auch Katze). Ebenso können sie bei Allergikern/Atopikern gute Dienste leisten.

 

Anwendung von Hydrolaten

Hydrolate bewähren sich vor allem in der Wundpflege und als Augenspülungen.

 

In der Tiermedizin können sie bei geruchsempfindlichen Tieren eingesetzt werden und  sie leisten gute Dienste bei Tieren mit Unverträglichkeiten für Pflanzenstoffe (Feliden, Säuglinge, Säugende, geriatrische Patienten mit mangelhafter Glukuronidierungsleistung – auch Katze).

 

Auch bei Allergikern/Atopikern  haben sich Hydrolate bewährt.

 

 

Hydrolate in der Wundbehandlung
Eigenschaften der Hydrolate

  • Sehr gut haut- und schleimhautverträglich.
  • Ätherischölgehalt sehr niedrig (meist deutlich < 1 %).
  • Schwach sauer: pH-Wert zwischen 4,0-5,5 (Haut-pH!).
  • Stören nicht die physiologische Hautflora und den Hydrolipidmantel der Haut.


Wichtig:
Die Eigenschaften der Hydrolate sind nicht mit denen des zugehörigen ätherischen Öls identisch, denn es fehlen die wesentlichen lipophilen (fettlöslichen) Inhaltsstoffe des ätherischen Öls.  
Das Hydrolat hat in der Regel einen eigenen typischen Duft, der die Herkunftspflanze manchmal nicht erkennen lässt.


Voraussetzung für den pflegerischen und therapeutischen Einsatz: Keimfreiheit!
Hydrolate müssen

  • unter sterilen Bedingungen gewonnen und abgefüllt werden
  • vor Licht geschützt werden (Braunglas, kleine Flaschen, mit 70%igem Alkohol desinfiziert)
  • kühl gelagert werden
  • in Flaschen mit Sprayaufsatz eingesetzt werden, um den Sauerstoffzutritt zu minimieren


Anwendungsformen:

  • Anwendung in der Regel als Spray (berührungs- und schmerzfreies, sauberes, gleichmäßiges Auftragen, auch bei Fell - gegen den Strich aufgetragen - geeignet).
  • Mischen verschiedener Hydrolate problemlos möglich.
  • Mischen mit ätherischen Ölen sinnvoll, 0,5-2%ig, je nach Einsatzgebiet; dann immer vor Gebrauch schütteln, da sich die ätherischen Öle oben absetzen.
  • Mischen mit fetten Pflanzenölen (Wasser-Öl-Schüttelemulsion - frisch herstellen zur sofortigen Anwendung oder baldigem Verbrauch, weil nicht lange haltbar!
  • Creme- und Gelherstellung mit Hydrolaten; setzt hygienisches Arbeiten voraus; solche Cremes ziehen besonders gut und schnell in die Haut ein.
  • Mit Alkohol stabilisierte Hydrolate aus dem Handel sind als Raumspray geeignet, jedoch nicht für Pflege und Therapie erkrankter Haut oder Schleimhaut.


Merke:
Nicht mischbar in Pflanzenwässern, weil überhaupt nicht wasserlöslich sind z.B.:

  • Atlas-Zeder (Cedrus atlantica)
  • Schafgarbe (Achillea millefolium)
  • Vetiver (Vetiveria zizanioides)
  • Extrakte aus Benzoe siam (Styrax tonkinensis)
  • Extrakte aus Vanille (Vanilla planifolia)

Hier muss Ethanol als Lösungsvermittler zugesetzt werden (15-30%).
Damit ist aber eine Anwendung auf Haut und Schleimhaut nicht mehr möglich.

Anwendungsbereiche
Hydrolate werden v.a. zur Juckreizlinderung, Spülung und Entzündungshemmung eingesetzt.

 

Beispiele

 

Mundhöhlenprobleme

Reines Hydrolat (Pfefferminze, Rosmarin, Melisse, Salbei u.a.) oder Mischungen mit ätherischen Ölen, je nach Art und Grad der Beschwerden:

  • Salbeiöl bei entzündlicher Schwellung
  • Pfefferminzöl gegen Entzündung und Schmerz
  • Lemongrasöl bei Parodontitis, etc.

Anwendung als Spray oder getränkter Watteträger, Irrigator.


Otitis externa (Außenohrentzündung)
Hydrolate von Rose, Lavendel.
Anwendung als reines Hydrolat in Form von Spray, getränkte Kompresse, Spülung, Mischungen mit ätherischen und fetten Ölen, je nach Schweregrad.

Sonnenbrand
Hydrolate aus


Juckende Hautentzündungen
Lavendelhydrolat


Beurteilung der Verträglichkeit
Aufgrund der geringen Gehalte an ätherischen Ölen sind Hydrolate in der äußerlichen Anwendung auch für Säuglinge bzw. Jungtiere und für Katzen geeignet.

 

Literatur:

  • Fischer-Rizzi S: Das große Buch der Pflanzenwässer. AT Verlag Aarau und München, 2014
  • Stadelmann I: Hydrolate - unterschätzte Alleskönner. Forum 2016;48: 17-22
  • Wabner D, Beier C (Hrsg.): Aromatherapie. Urban & Fischer, München, Jena 2009
  • Warad SB, Kolar SS, Kalburgi V, Kalburgi NB: Lemongrass essential oil gel as a local drug delivery agent for the treatment of periodontitis. Anc Sci Life, 13 Apr;32(4):205-11
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Destillation

 

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