Echter Salbei (Salvia officinalis/triloba)

Heilpflanze Salbei Salvia tribola ätherisches Öl Flavonoide verdauungsfördernd antimikrobiell Mundschleimhaut krampflösend Darm schweißhemmend
Ein Klick auf das Bild führt zur Übersicht über die Wirkstoffgruppen.

Sallbei-Blätter enthalten ätherische Öle, Flavonoide, Gerbstoffe und Bitterstoffe.

 

Innerlich als Tee oder Frischpflanze angewendet wirkt Salbei appetitanregend und verdauungsfördernd sowie entzündungshemmend, antimikrobiell und krampflösend auf den Darm. Außerdem wirkt er hemmend auf die Schweiß- und Milchbildung.

 

Äußerlich z.B. als Umschlag oder Mundspülung mit Tee oder wasserverdünnter Tinktur angewendet wirkt er entzündungshemmend, antibakteriell, antiviral und pilzhemmend auf die Haut und die Mundschleimhäute.

 

Achtung: In der Schwangerschaft und Stillzeit sollte Salbei nicht innerlich angewendet werden! Außerdem enthält das ätherische Öl Thujon (Nervengift, das in hohen Dosen Verwirrtheit und epileptische Krämpfe auslöst). In Zubereitungen wie Tee, Tinktur und Extrakten werden die toxischen Dosen an Thujon nicht erreicht.

 

Kommission E:   positive Bewertung
ESCOP:                positive Bewertung
HMPC:                 als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft

 

Klinische Studien: positiv

 

Blogartikel zum Salbei

Wirkung von Antibiotika im Vergleich zur Wirkung von Naturstoffen

Antibiotika (anti = gegen; bios = Leben) …gegen das Leben gerichtet…

 

Um einen Überblick zu bekommen, wie Antibiotika gegen Bakterien wirken, ist es sinnvoll sich ein Bakterium schematisch zu betrachten. Wobei für die Wirkung der Antibiotika die folgenden Strukturen von wesentlicher Bedeutung sind:

  •  Zellmembran
  •  Zellwand
  •  Folsäure Synthese
  •  DNA
  •  RNA
  •  Proteine

Je nach dem an welcher Stelle ein Antibiotikum angreift, wirkt dieses entweder bakterizid (Bakterien abtötend) oder aber bakteriostatisch (wachstumshemmend).

 

Wie wehren sich Bakterien gegen die angewendeten Antibiotika?

Bakterien können durch z. B. Genmutation Veränderungen erfahren, die Sie für bestimmte Antibiotika unangreifbar machen. Diese Veränderung können Sie an Ihre Vermehrungs-produkte oder aber auch an andere Mikroorganismen weitergeben.  Die Konjugation ist ein Beispiel für Parasexualität, die bei Bakterien auch weit über ihre Artgrenzen hinweg möglich ist. Sogenannte Gram negative Bakterien, die sich als Spender eignen sind in der Lage einen sogenannten Sexpilus auszubilden. Eine fadenförmige Struktur (Plasmabrücke), die eine Annäherung zweier Bakterien (Spender und Empfänger) ermöglicht, wodurch zwischen diesen beiden genetische Informationen ausgetauscht werden können. Im Ergebnis wird der Empfänger zu einem weiteren möglichen Spender. Antibiotikaresistenzen können sich auf diese Weise rasant vermehren.

Bekannte Resistenzmechanismen können z. B.  Änderungen der Zellmembran oder Zellwandstruktur sein oder aber der Erwerb von Membrantransportern, die in der Lage sind eingedrungene Antibiotika direkt wieder aus der Zelle aus zu schleusen. Manch ein Bakterium erwirbt die Fähigkeit ein Enzym zu bilden, dass das Antibiotikum außer Funktion setzt.

Außerdem bilden Bakterien sogenannte „Biofilme“ aus. Eine Vielzahl von durchaus ganz verschiedenen Bakterien lagern sich eng zusammen und bilden gemeinsam die „extrazelluläre Matrix“ aus, in die eingebettet, sie sicher vor den Antibiotika sind, da die Antibiotika nicht in der Lage sind diese Matrix zu durchdringen und an den entsprechenden Stellen im/am Bakterium anzugreifen. Diese Biofilme eignen sich auch hervorragend zu Parasexuellen Aktivitäten. Innerhalb kürzester Zeit können unterschiedlichste Bakterienarten mit neuen Resistenzgenen ausgestattet werden.

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Salbei - Ein Kurzportrait

Pflanzengestalt
Der Salbei ist ein ausdauernder ca. 50-70cm hoher, in der Basis verholzender, immergrüner, grundsätzlich winterharter Halbstrauch.

 

Die Blätter sind bis 10 cm lang, sie sind länglich bis eiförmig und lang gestielt. Die Blätter sind am Rand fein gekerbt und auf beiden Blattseiten graufilzig behaart. Einzelne Blätter besitzen am Grunde der Blattspreite meist beidseitig einen kleinen Auswuchs – man sagt auch sie sind „geöhrt“-.

 

Der Salbei riecht sehr würzig und krautig und hat einen sehr intensiven, durchdringenden herb-würzigen bis leicht bitteren und/oder scharfen Geschmack.

 

 

Nutzung
Es werden die (meist) getrockneten Blätter verwendet. Alternativ wird auch das ätherische Öl des Salbei genutzt, das mittels Wasserdampfdestillation aus den oberirdischen Teilen gewonnen wird.

                                                                                                                

Wirkung

Salbei wirkt

  • appetitanregend und verdauungsfördernd (regt den Gallefluss an und wirkt entkrampfend),
  • antimikrobiell (gegen einige gram positive und gram negative Bakterien),
  • fungizid (z. B. gegen Hefen und Candida albicans),
  • antiviral (z. B. bei Herpes simplex und auch bei verschiedenen viralen Darmentzündungen),
  • zusammenziehend,
  • antihydrotisch (schweißhemmend),
  • antiinflammatorisch,
  • analgetisch (schmerzlindernd)
  • metastasehemmend
  • antioxidativ und
  • blutzuckersenkend.

Verwendung

Als Gewürz
Salbeiblätter sind als konservierendes Fleisch- und Fischgewürz bekannt. Durch ihre Inhaltsstoffe verzögern sie das ranzig werden von Fetten. Er ist Bestandteil der Herbes de Provence und in Dtld. wird er gern zur Würze von Wildgerichten genutzt.
In der Kosmetik dient er als natürliches Konservierungsmittel und findet in Seifen, Lotionen, Zahncremes etc. häufig Verwendung.
Auch in Schnäpsen – v. a. Verdauungsschnäpsen – ist er oft enthalten.

Als Arzneidroge

  • In der Humanmedizin
    Man verwendet ihn in Form von Tinkturen, Extrakten oder Tees, innerlich bei z. B. dyspeptischen Beschwerden, bei Durchfällen und bei übermäßiger Schweißbildung.
    Äußerlich wird er bei Entzündungen der Mund und Rachenschleimhaut eingesetzt. Auch bei Fußpilz wird der Salbei volksmedizinisch eingesetzt. Überdies lassen sich mit Salbe vortreffliche Wundspülungen durchführen (Volksmedizin).
    In der Humanmedizin gibt es eine große Anzahl salbeihaltiger Arzneimittel, in den unterschiedlichsten Kombinationen (je nach Indikation). So findet man z. B. Gurgellösungen bei denen dann z. B. auch Pfefferminze und Eukalyptus enthalten sind oder aber zur Einreibung geeignete Arzneien bei Erkältungskrankheiten sowie auch in sogenannten Amara mit dem Zweck der Therapie von funktionellen Magen-Darm-Beschwerden.
  • In der Veterinärmedizin
    In der Veterinärmedizin steht zur Zeit nur ein salbeihaltiges Arzneimittel zur Wundbehandlung zur Verfügung. Dieses Präparat enthält außer Salbei noch Kamille, Hamamelis, Ringelblume und Thymol (PhlogAsept® der Fa. PlantaVet – jetzt SaluVet). Außerdem werden bei Haut- und Schleimhautproblemen auch Aufgüsse eingesetzt. 
    Auch in der Tiermedizin hat Salbei seinen Einsatzbereich zur Behandlung von Magen-Darm-Störungen. Hier dient es u. a. zur Normalisierung der Verdauung, hilft den Appetit anregen und verbessert meist das Allgemeinbefinden.
    Versuchsweise kann Salbei ggf. auch zur Minderung des Milchflusses laktierender Haustiere verwendet werden (z. B. bei der Lactatio falsa der Hündin im Rahmen einer Scheinschwangerschaft).

 

Unerwünschte Wirkungen / Kontraindikationen

Diese sind nur zu befürchten, wenn eine Überdosierung und oder ein längerer Gebrauch vorliegt. Wobei es hierzu auch nur Beschreibungen aus der Humanmedizin gibt. Symptome könnten dann zum Beispiel zentrale Erregung, Krämpfe, Schwindel und Erbrechen sein. Diese Wirkung ist dem Thujon im Salbei zuzuschreiben. Eine „Thujonvergiftung“ führt z. B. zu Schäden im zentralen Nervensystem sowie zu Leber- und Nierenfunktionsstörungen.

 

Allergische Reaktionen sind in der Theorie sicherlich möglich - wie bei allem.
Überdies wird dem Salbei eine Wehen fördernde und Milchfluss hemmende Wirkung zugeschrieben, so dass bei tragenden/säugenden Tieren von einer innerlichen Anwendung abgesehen werden sollte.

Achtung: Es sei darauf hingewiesen, dass zu therapeutischen Zwecken nur Salbeiöle verwendet werden sollten deren Zusammensetzung vom Hersteller entsprechend deklariert wird. So sind Salbeiöle mit einem Thujongehalt von > 40% zur Therapie nur in absoluten Ausnahmefällen geeignet, sollten also eher nicht zur Anwendung kommen.


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Wie Heilpflanzen wirken

Wie Heilpflanzen wirken und wann Sie ihren höchste Wirkstoffgehalt besitzen

Die Mehrzahl der bekannten Heilkräuter kann in eine Wirkstoffsystematik eingeteilt werden, anhand derer sich ablesen lässt, welche Kräuter gegen welche Krankheitsbilder eingesetzt werden können, und welche Pflanzen sich gegenseitig ergänzen bzw. gegeneinander austauschbar sind. Zu den in Heilpflanzen enthaltenen Wirkstoffen gehören zum Beispiel ätherische Öle, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Schleimstoffe und Flavonoide.


Ätherische Öle sind in allen duftenden Pflanzen enthalten und werden vor allem um die Mittagszeit produziert. Sie wirken keim- und entzündungshemmend, krampflösend, beruhigend und auswurffördernd. Sie beeinflussen auch unser Wohlbefinden. Typische Pflanzen die ätherische Öle enthalten sind z. B. Thymian, Oregano, Rosmarin, Fenchel, (Pfeffer-) Minze, Kamille, Lavendel u. v. a. m..

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Hydrolate und ihre Anwendung in der Pflanzenheilkunde

Hydrolat mit aufschwimmender ätherischöl Fraktion
Hydrolat mit aufschwimmender ätherischöl Fraktion

Kurzübersicht

Hydrolate sind ein Produkt des Destillationsprozesses für pflanzliche Heilstoffe und ätherische Öle. Sie werden in der Pflanzenheilkunde im Rahmen der Aromatherapie eingesetzt, z.B. zur Behandlung von Problemen der Haut und der Mundschleimhäute oder zur Augenspülung.

 

 

Hydrolate (engl. Hydrosol)

 

Hydrolate im engeren Sinne sind Destillationswässer, "Nebenprodukte", wie sie bei der Destillation von Pflanzen anfallen, aus denen man ätherische Öle gewinnt. Hydrolate sind das wässrige Kondensat, das nach Abkühlung des Destillationsdampfes und Abtrennung der ätherischen Öle nach der Wasserdampfdestillation verbleibt. Hydrolate nehmen inhaltlich eine Zwischenstellung ein: In ihnen finden sich die wasserlöslichen Komponenten der zur Destillation genutzten Pflanze, die auch ein Tee enthalten würde. Zudem enthalten sie in Spuren suspendierte ätherischen Öle, insbesondere die nur schwer wasserlöslichen Ätherischölkomponenten. Das sind etwa die durch Oxidation der Terpene entstandenen Alkohole oder die nach Esterhydrolyse (Verseifung) entstandenen Verbindungen. Dazu gehören z.B. Monoterpen-Alkohole wie Citronellol, Linalool, Geraniol oder 1-Menthol. Hydrolate besitzen damit ein therapeutisch interessantes Inhaltsstoffspektrum.

 

Aber auch aus Pflanzen, bei denen ätherische Öle keine Rolle spielen (z. B. Hamamelisrinde), werden über Destillation sog. Pflanzenwässer gewonnen.

 

Hydrolate bewähren sich v.a. in der Wundpflege und als Augenspülungen.

 

In der Tiermedizin können sie eingesetzt werden sowohl bei den geruchsempfindlichen Tieren als auch bei Tieren mit Unverträglichkeiten für Pflanzenstoffe (Feliden, Säuglinge, Säugende, geriatrische Patienten mit mangelhafter Glukuronidierungsleistung – auch Katze). Ebenso können sie bei Allergikern/Atopikern gute Dienste leisten.

 

Anwendung von Hydrolaten

Hydrolate bewähren sich vor allem in der Wundpflege und als Augenspülungen.

 

In der Tiermedizin können sie bei geruchsempfindlichen Tieren eingesetzt werden und  sie leisten gute Dienste bei Tieren mit Unverträglichkeiten für Pflanzenstoffe (Feliden, Säuglinge, Säugende, geriatrische Patienten mit mangelhafter Glukuronidierungsleistung – auch Katze).

 

Auch bei Allergikern/Atopikern  haben sich Hydrolate bewährt.

 

 

Hydrolate in der Wundbehandlung
Eigenschaften der Hydrolate

  • Sehr gut haut- und schleimhautverträglich.
  • Ätherischölgehalt sehr niedrig (meist deutlich < 1 %).
  • Schwach sauer: pH-Wert zwischen 4,0-5,5 (Haut-pH!).
  • Stören nicht die physiologische Hautflora und den Hydrolipidmantel der Haut.


Wichtig:
Die Eigenschaften der Hydrolate sind nicht mit denen des zugehörigen ätherischen Öls identisch, denn es fehlen die wesentlichen lipophilen (fettlöslichen) Inhaltsstoffe des ätherischen Öls.  
Das Hydrolat hat in der Regel einen eigenen typischen Duft, der die Herkunftspflanze manchmal nicht erkennen lässt.


Voraussetzung für den pflegerischen und therapeutischen Einsatz: Keimfreiheit!
Hydrolate müssen

  • unter sterilen Bedingungen gewonnen und abgefüllt werden
  • vor Licht geschützt werden (Braunglas, kleine Flaschen, mit 70%igem Alkohol desinfiziert)
  • kühl gelagert werden
  • in Flaschen mit Sprayaufsatz eingesetzt werden, um den Sauerstoffzutritt zu minimieren


Anwendungsformen:

  • Anwendung in der Regel als Spray (berührungs- und schmerzfreies, sauberes, gleichmäßiges Auftragen, auch bei Fell - gegen den Strich aufgetragen - geeignet).
  • Mischen verschiedener Hydrolate problemlos möglich.
  • Mischen mit ätherischen Ölen sinnvoll, 0,5-2%ig, je nach Einsatzgebiet; dann immer vor Gebrauch schütteln, da sich die ätherischen Öle oben absetzen.
  • Mischen mit fetten Pflanzenölen (Wasser-Öl-Schüttelemulsion - frisch herstellen zur sofortigen Anwendung oder baldigem Verbrauch, weil nicht lange haltbar!
  • Creme- und Gelherstellung mit Hydrolaten; setzt hygienisches Arbeiten voraus; solche Cremes ziehen besonders gut und schnell in die Haut ein.
  • Mit Alkohol stabilisierte Hydrolate aus dem Handel sind als Raumspray geeignet, jedoch nicht für Pflege und Therapie erkrankter Haut oder Schleimhaut.


Merke:
Nicht mischbar in Pflanzenwässern, weil überhaupt nicht wasserlöslich sind z.B.:

  • Atlas-Zeder (Cedrus atlantica)
  • Schafgarbe (Achillea millefolium)
  • Vetiver (Vetiveria zizanioides)
  • Extrakte aus Benzoe siam (Styrax tonkinensis)
  • Extrakte aus Vanille (Vanilla planifolia)

Hier muss Ethanol als Lösungsvermittler zugesetzt werden (15-30%).
Damit ist aber eine Anwendung auf Haut und Schleimhaut nicht mehr möglich.

Anwendungsbereiche
Hydrolate werden v.a. zur Juckreizlinderung, Spülung und Entzündungshemmung eingesetzt.

 

Beispiele

 

Mundhöhlenprobleme

Reines Hydrolat (Pfefferminze, Rosmarin, Melisse, Salbei u.a.) oder Mischungen mit ätherischen Ölen, je nach Art und Grad der Beschwerden:

  • Salbeiöl bei entzündlicher Schwellung
  • Pfefferminzöl gegen Entzündung und Schmerz
  • Lemongrasöl bei Parodontitis, etc.

Anwendung als Spray oder getränkter Watteträger, Irrigator.


Otitis externa (Außenohrentzündung)
Hydrolate von Rose, Lavendel.
Anwendung als reines Hydrolat in Form von Spray, getränkte Kompresse, Spülung, Mischungen mit ätherischen und fetten Ölen, je nach Schweregrad.

Sonnenbrand
Hydrolate aus


Juckende Hautentzündungen
Lavendelhydrolat


Beurteilung der Verträglichkeit
Aufgrund der geringen Gehalte an ätherischen Ölen sind Hydrolate in der äußerlichen Anwendung auch für Säuglinge bzw. Jungtiere und für Katzen geeignet.

 

Literatur:

  • Fischer-Rizzi S: Das große Buch der Pflanzenwässer. AT Verlag Aarau und München, 2014
  • Stadelmann I: Hydrolate - unterschätzte Alleskönner. Forum 2016;48: 17-22
  • Wabner D, Beier C (Hrsg.): Aromatherapie. Urban & Fischer, München, Jena 2009
  • Warad SB, Kolar SS, Kalburgi V, Kalburgi NB: Lemongrass essential oil gel as a local drug delivery agent for the treatment of periodontitis. Anc Sci Life, 13 Apr;32(4):205-11
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Destillation

 

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